Frauen in der Eventbranche

Daniela Wilken von Wilkenwerk: “Frauen arbeiten lösungsorientiert”

Werden Frauen in leitenden Positionen in der Eventbranche zum Thema “Frauen in der Eventwirtschaft” befragt, sehen viele zwar immer noch zahlreiche Benachteiligungen, denen Frauen im Berufs leben ausgesetzt sind. Die Frauenquote halten die meisten allerdings auch nicht für die beste Alternative. So auch Daniela Wilken, Gründerin und Agenturchefin von Wilkenwerk und diesjährige Gewinnerin des Zora Awards, die wir zu dem Thema befragt haben. 

Daniela Wilken
Wilkenberg
Daniela Wilken, Geschäftsführerin von Wilkenwerk

Der Frauenanteil in der Eventbranche ist vergleichsweise hoch–braucht es da noch eine Frauenquote?
In der Branche selbst mag die Zahl der beschäftigten Frauen schon sehr hoch sein, v. a. auf Kundenseite oder in Agenturen. Aber auf der Geschäftsführerebene der Agenturen sieht das immer noch anders aus, da gibt es nach wie vor eine sehr feste gläserne Decke.Und bei den Dienstleistern, insbesondere im technischen Bereich, sind Frauen die Ausnahme.

Frauenquote in Unternehmen – Gefahr der „Quotenfrauen“?
Eine Frauenquote ist grundsätzlich problematisch,wenn sie von außen aufoktroyiert wird. Es ist immer besser, wenn sich das Unternehmen intern selber darum bemüht, Frauen den Weg in die Leitungsebenen zu ermöglichen. In diesem Fall sind nämlich die Qualifikation und Kompetenz der Mitarbeiterin für ihren Aufstieg bestimmend. Für die Wertschätzung weiblicher Mitarbeiterkompetenz kann eine Quote sogar kontraproduktiv sein. Dass es immer noch einen Nachholbedarf gibt, was weibliche Chefsa ngeht,ma gnicht zuletz tauch daran liegen,dass viele Frauen sich eher davor scheuen, sich durchzusetzen. Hier wäre ihnen viel mehr Selbstbewusstsein zu wünschen.

Natürlich spielt auch die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Kindern eine große Rolle. Hier gilt es letztlich immer noch, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Aber die Betroffenen sollten sich mehr als bisher trauen, Hilfe von außen anzunehmen und einzufordern. Denn nach wie vor gilt, Frauen müssen für den gleichen Grad an Anerkennung immer noch mehr leisten als ihre männlichen Kollegen.

Zwar gehen inzwischen auch viele Väter in die Elternzeit, trotzdem bleibt das zeitliche Problem bestehen. Und hier ist die Vereinbarkeit von Beruf und Kindern für Mütter in Chefpositionen sogar leichter zu bewältigen. Die haben zwar – wie jede Chefin – einen prall gefüllten Kalender, den sie oft bis spät abends abarbeiten müssen. Gleichzeitig verdienen sie aber so gut, dass es ihnen leichter fällt, für eine angemessene Betreuung der Kinder zu sorgen. Das ist für Frauen in den mittleren Ebenen schon aus finanziellen Gründen viel schwieriger. Sie müssen eher in Vollzeitarbeiten, haben aber nach der Elternzeit oft Schwierigkeiten mit der Wiedereingliederung im Betrieb.

Was bringt der Fokus auf weibliche Chefs dem Unternehmen und dem Kunden?
Das mag jetzt merkwürdig klingen, aber Männer sind wesentlich konfliktscheuer. Frauen dagegen verschleppen Kontroversen viel seltener. Dabei geht es ihnen nicht um Imponiergehabe, den Streit an sich, sondern sie arbeiten lösungsorientiert. Davon kann das Betriebsklima enorm profitieren. Für die Kundenseite kann dieses weibliche Element realistischere Einschätzungen mit sich bringen,was die Zielsetzungen und deren Machbarkeit angeht. Chefs sind da immer auch ein Stück weit „Verkäufer“. Männer neigen schon mal dazu, im Überschwang des Augenblicks mehr zu versprechen, als möglicherweise haltbar ist. Frauen kalkulieren hier oft realistischer und können so unliebsame Überraschungen vermeiden.

Gemischte oder besser reine Frauenteams?
Sowohl als auch. Bei reinen Frauenteams muss etwas mehr hingesehen werden, ob unter den Mitarbeiterinnen auch die Chemie stimmt. Dann ist eine konfliktfreie und nutzbringende Arbeit möglich. Aber die Synthese der weiblichen und männlichen Perspektive ist für ein gutes Betriebsklima und erfolgreiches Arbeiten sehr befruchtend. Gerade für uns Kommunikationsexperten ist das von zentralem Vorteil.

 

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